Das Ende ist nah… 2018 in einer persönlichen Zusammenfassung

Anfang Dezember habe ich gemerkt, wie mir langsam die Energie ausgeht, obwohl ich noch so viele Dinge bis Ende des Jahres erledigt haben wollte. Eine gute Freundin gab mir den Tipp, sich einfach mal zurückzulehnen und die vergangenen Wochen und Monate zu rekapitulieren. Das hat in diesem Moment geholfen und es soll an diesem vorletzten Tag des Jahres 2018 helfen, die überwältigenden und inspirierenden Erfahrungen der vergangenen Monate einzuordnen. Außerdem ist dieser Blogbeitrag auch der vorletzte Punkt auf meiner To-Do-Liste bis morgen (okay, drei Sachen habe ich gestrichen bzw. verschoben…).

2018 und ich – Ein schwieriger Start

Im September 2017 hatte ich offiziell die Promotion an der Uni Mainz angemeldet, bis Ende Oktober verfasste ich ein erstes Exposé mit Forschungsstand und Bibliographie zu meinem Thema: Die Architekturdarstellung in der modernen Fantastik. Im November begann ich meine neue Halbtagsstelle als Office Manager in einer Kommunikationsagentur, denn irgendwie will die Forschung finanziert und wollen die Rechnungen bezahlt werden. Bis März arbeitete ich also bis zum frühen Nachmittag und las dann, soweit es noch ging, Fachliteratur oder suchte nach Ansatzpunkten für meine, ich muss es gestehen, noch etwas abstrakte, aber größenwahnsinnige Dissertation.

Wer sich selbst schon einmal mit einem Thema, das sie/ihn begeistert, wirklich intensiv auseinandergesetzt hat, kennt sicherlich das Gefühl, irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Das ist ein überwältigendes, und häufig niederschmetterndes Gefühl. Um irgendwie anzufangen, fing ich an, mich auf Call for Papers für Konferenzen zu bewerben. Das half, Gedanken einmal auszuformulieren und Ideen für einzelne Aspekte durchzudenken. Und siehe da, von insgesamt sechs Einreichungen wurden gleich drei angenommen (zwei wurden abgelehnt und bei einer warte ich theoretisch noch immer auf eine Rückmeldung)!

PhD on Tour – Reisen und Konferenzen 2018

Dummer- und praktischerweise fanden alle drei Veranstaltungen binnen fünf Wochen Mitte August bis Ende September statt. Zum Glück konnte ich für alle Reisen Urlaub bekommen und fand einige Möglichkeiten, diese auch zu finanzieren (eine Übersicht findet ihr hier).

Los ging es gleich mit dem größten Event, der 76. World Science Fiction Convention in San José in Kalifornien. Mit einem Vortrag zu Turmdarstellungen in der Tradition des Turms zu Babel, meiner leichten Flugangst und einem Kongressreisestipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) im Gepäck ging es also in die USA. Mit über 5000 Teilnehmenden war es nicht nur eine gewaltige Veranstaltung, sie hatte auch ein anregendes Programm und bot inspirierende Bekanntschaften und Gespräche. Diese Homepage und die begonnenen Projekte wären ohne die Worldcon 2018 nicht denkbar gewesen (einen kleinen Bericht findet ihr hier).

Zwei Wochen nach meiner Rückreise aus Kalifornien ging es dann in das Schweizerische Fribourg zur 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung. In drei Sprachen kamen über 100 Forscherinnen und Forscher aus Europa zu dieser Konferenz zusammen und präsentierten spannende Ergebnisse und Ideen. Ich durfte den theoretischen Unterbau meiner bisherigen Überlegungen für die Dissertation präsentieren, nämlich der Notwendigkeit zu einem gewissen Rezeptionsrealismus beim Medienwechsel des Fantastischen vom Text zum Bild zum Bewegtbild. Der doch sehr teure Schweiztrip wurde durch ein Reisestipendium der Gesellschaft für Fantastikforschung sowie eine inneruniversitäre Förderung der Universität Mainz gefördert. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle!

Wiederum zwei Wochen später, und dank der Berliner Hitzewelle und der schnellen Tagungstaktung ein wenig erschöpft, ging es für zwei Tage nach Alicante an der spanischen Mittelmeerküste. In einem Workshop zur Geschichte des Spiels/Spielens der Jahrestagung der Gesellschaft für zeitgenössische Geschichte Spaniens durfte ich dann über die Architekturdarstellung in Fantasy-Videorollenspiele sprechen, was ich am Beispiel christlicher Kirchen ausführte (den ausführlichen Artikel findet ihr in drei Teilen hier). Auch hier, wie bei den beiden anderen Veranstaltungen, stand aber auch der Austausch mit anderen ForscherInnen im Fokus, der bis weit in die Nacht hinein ging und ebenfalls zu dem führte, was mit dieser Homepage seinen Anfang nahm.

Temple of Time in Twilight Princess, interior of the first hall, (c) 2006 by Nintendo

Kaum zu Hause angekommen, fand ich einen spannenden Call for Articles für einen Sammelband über “The Evolution of Evil in Fantasy und Science Fiction” in meinem Postfach. Womit wir beim Thema Publikationen wären…

Veröffentlichungen in 2018

Seit Anfang 2018 haben mich die tollen Menschen des Golkonda-Verlages zu ihren monatlichen Treffen eingeladen. Neben spannenden Einblicken in das fantastische Verlagswesen, konnte ich auch einige meiner Überlegungen zur visuellen Fantastik diskutieren und fand viel motivierenden Zuspruch und helfende Hinweise. Das führte zu einem Beitrag über die Darstellung von Wolkenkratzern in “Das Science Fiction-Jahr 2018“, welches Ende November erschien! Somit ist mit “Vom Hochhausbau zu Science Fiction-Epen” mein erster Artikel publiziert worden, was mich unglaublich ehrt und freut.

Bis Anfang Dezember verfasste ich dann noch meinen Beitrag für den oben genannten Band zu “The Evolution of Evil in Fantasy and Science Fiction” und der Titel lautet “From Light to Dark – Using Gothic Styles to Visualize Evil in Architecture”. Der Band wird im Sommer 2019 erscheinen und ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.

Die Geburt von Art History Fantastics

All diese Themen und Aktivitäten entstammen natürlich der Beschäftigung mit meinem Promotionsprojekt. Während des Schreibens der Papers, der Skripte für die Vorträge und der Artikel, aber auch beim Konzipieren der einzelnen Beiträge und Präsentationen habe ich festgestellt, dass ich mit der visuellen Fantastik das Thema gefunden habe, mit dem ich wunderbar die nächsten zehn bis zwanzig Jahre füllen kann und möchte. Durch die vielen inspirierenden Bekanntschaften und Gespräche entstanden Ideen für Inhalte, Formate und Projekte, die ich gern machen würde.

Das Ganze habe ich dann unter AHF – Art History Fantastics gebündelt, diese Homepage erstellt sowie eine Facebook– und eine Instagramseite eingerichtet. Ziel ist es, das Promotionsprojekt vorzustellen, aber auch die gesamte thematische Palette der Fantastik als freiberuflicher Wissenschaftler anzubieten. Es wäre natürlich ein mittel- bis langfristiger Wunsch, die Passion endgültig zum Beruf machen zu können. AHF ist dabei seit Anfang Oktober der erste Schritt und wird sich sicherlich in den nächsten Monaten und Jahren anpassen, verändern und erweitern.

Unabhängig & frei – In Zukunft dank Patreon

Als letztes Mosaiksteinchen, um gut gewappnet in 2019 zu starten, habe ich noch meine Patreon-Seite aufgesetzt. Mit Patreon ist es möglich, Projekte und Formate wie AHF mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen. Dafür erhält man spezielle Vorzüge als Dankeschön. Zwar möchte ich so viel meiner Forschung, meiner Überlegungen und Fundstücke allen Interessierten zugänglich machen, jedoch muss auch ich von etwas leben und die Forschung finanzieren. Mit Patreon ist ein guter Anfang hierfür gemacht und ich freue mich auf zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer. Die monatlichen Beiträge erscheinen auf den ersten Blick vielleicht hoch, aber setzt man sie in den Kontext anderer Ausgaben (ein Cocktail pro Monat, ein Buch pro Monat), ist es überschaubar. Und für mich unglaublich wertvoll um natürlich noch mehr spannende Sachen anbieten zu können: allen über diese Homepage und besondere Dinge für die Patreon-UnterstützerInnen!

2019 – Ein erfreulicher Ausblick

Das Ende ist nah, von 2018 wie auch diesem recht lang geratenen Blogbeitrag. Deswegen macht es an dieser Stelle Sinn, auf das, was da kommen wird, zu blicken.

Ganz fest eingeplant ist eine Reise zur 40th International Conference on the Fantastic in the Arts in Orlando, Florida. Dank eines Reisestipendiums freue ich mich schon sehr auf fünf Tage mit über 400 Forschenden aus aller Welt, der größten akademischen Veranstaltung der Fantastikforschung!

Im August 2019 findet die nächste Worldcon in Dublin statt. Einige der AutorInnen des Sammelbandes “The Evolution of Evil” arbeiten gerade an einer Einreichung für eine innovative Diskussionsveranstaltung zum Thema mit anschließender Book Release-Party! Seid gespannt, ich halte euch auf dem Laufenden!

Ansonsten steht 2019 ganz im Zeichen von “Game of Thrones”, denn die letzte Staffel wird veröffentlicht und im Januar findet eine außergewöhnliche Ausstellung mit den Kunstwerken, die als Grundlage für die Seriengestaltung dienen, in Berlin statt. Hierfür habe ich eine Projektbewerbung eingereicht und hoffe, dass ich mit dem Fördergeld das Thema ganz groß aufziehen kann. Die Entscheidung fällt Ende Januar, drückt die Daumen!

Und natürlich arbeite ich weiter an meiner Promotion…

Das ist erst der Anfang…

Mit dem freischalten von Patreon habe ich alle Punkte abgehakt, um in 2019 erst richtig loslegen zu können. Die Grundlagen wie Homepage, Mail, Facebook, Patreon, Visitenkarten, Postkarten etc. sind gelegt; Ideen für Vorträge, Workshops und andere Formate sind vorhanden und werden schrittweise ausgebaut sowie an interessierte Unternehmen, Organisationen und Institutionen versandt.

Die (visuelle) Fantastik behandelt aktuelle kulturelle und gesellschaftliche Fragen und ist Spiegel sowie Projektionsfläche von/für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie bietet mannigfaltige Möglichkeiten für Vermittlung, Kritik, Reflexion und Inspiration. Und das macht sie zu einer unglaublichen Inspirationsquelle und zum Antriebsmittel für mich!

post scriptum:

Die letzten digitalen Worte 2018 möchte ich meinen Eltern widmen, dank deren Unterstützung alles Bisherige und Zukünftige niemals möglich gewesen wäre. Danke!

About the Author Dominic Riemenschneider

Independent scholar & PhD candidate in Art History with research about the Fantastic, its reception and roots in art and architecture. Also offering services, workshops and lectures about the Fantastic and the connection to real world events, society and developments.

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