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Extended Version: Hohenehr von Ted Nasmith | Game of Thrones

Hohenehr

Material: Gouache auf Zeichenkarton

Die Illustration von Ted Nasmith zeigt Hohenehr/The Eyrie aus der erfolgreichen und weltbekannten Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ des Autors George R. R. Martin. Noch bekannter dürfte die Reihe unter dem Namen „Game of Thrones“ sein, die bis dato erfolgreichste TV-Serie der Welt.

Hohenehr von Ted Nasmith
Bild via Homepage

Hohenehr spielt als Handlungsort zwar eine Nebenrolle, doch sowohl in den Büchern wie auch der TV-Serie ist es ein besonders eindrucksvoller Ort mit uneinnehmbaren Wehranlagen. Hohenehr selbst ist Burg, Schloß und Sitz des Hauses Arryn, den Herrschern des Grünen Tals und eines der wichtigsten Häuser von Westeros.

Hohenehr in der TV-Serie „Game of Thrones“ von HBO
Bild via Game of Thrones Fandom

In Zusammenarbeit mit George R. R. Martin hat der bekannte Fantasyillustrator Ted Nasmith Hohenehr so dargestellt, wie der Autor es sich beim Schreiben vorgestellt hat.

Die Illustration wurde für das opulente Hintergrundwerk „A World of Ice and Fire“ geschaffen.

Was ist zu sehen?

Das hochrechteckige Bild zeigt im zentralen Mittelgrund eine komplett aus weißem Stein errichtete Burganlage mit sieben hohen Türmen. Das Bauwerk wurde direkt auf einem steil abfallendem Felsplateau errichtet, der Blickwinkel ist untersichtig angelegt. Deswegen gibt es keinen wirklichen Bildvordergrund.

Vom Felsplateau verläuft ein niedriger Grat zum rechten Bildrand, welcher größtenteils von einer steilen Felswand eingenommen wird. Ein Wasserfall fließt über die Kante in den nicht sichtbaren Grund.

Den Hintergrund bilden hohe, schneebedeckte Berggipfel in der Ferne, die in Sfumato gehalten sind. Der sichtbare Himmelsausschnitt erstreckt sich aufgrund der ungewöhnlichen Perspektive vom unteren Bereich des linken Bildrandes diagonal zum rechten oberen Bildrand. Der Himmel ist blau und leicht bewölkt. Das Weiß der Wolken und des Steins leuchten im hellen Licht einer nicht sichtbaren Sonne, gleichzeitig ist auch eine zunehmende Mondsichel am Himmel sichtbar.

Der unregelmäßige Grundriss der Burganlage umfasst das gesamte Felsplateau. Massive, hohe Substruktionen tragen die sichtbaren drei Hallen, welche über kleine Brücken miteinander verbunden sind. Ebenfalls Teil der Grundmauern sind Wehranlagen, Schießscharten, Wehrgänge und Zinnen.

Im Mittelpunkt des architektonischen Bildarrangements wird eine dreischiffige Halle mit schmalen, spitz zulaufenden Fenstern gezeigt sowie einem Obergaden. Die Schmalseite ist flach und zeigt im Erdgeschoss ein Portal und in den höheren Ebenen Fenster beziehungsweise einen Balkon mit großem Durchgang.

Die anderen Hallen greifen den Grundaufbau dieser repräsentativen Halle auf, jedoch mit verkleinerten und vereinfachten Formen, was insbesondere an der Fenstergröße und Geschosshöhen zu erkennen ist.

Es sind insgesamt sieben Türme sichtbar, deren Verteilung über das Burgareal keinem erkennbaren Muster folgt. Vier Türme weisen einen quadratischen Grundriss auf und insbesondere im oberen Drittel auskragende Plattformen ohne Geländer. Die Turmhelme bestehen aus dem gleichen weißen Stein und laufen spitz zusammen.

Die drei anderen Türme haben einen runden Grundriss und sind bis zum Turmende glatt gestaltet mit sehr wenigen und kleinen Fenstern. Die Turmenden sind im Vergleich zum Turmschaft breiter und weisen umlaufende Fensterreihen auf. Die runden Spitzhelme sind mit blauen Ziegeln gedeckt, weswegen sie besonders herausstechen.

Wieso wirkt das Bild so episch?

Aufgrund des gewählten, untersichtigen und leicht schrägen Blickwinkels der Bildkomposition entsteht ein stark vertikaler und monumentalisierender Effekt. Der horizontale, breite Burgunterbau und die ebenfalls horizontal ausgerichteten Hallen bilden eine architektonische Einheit. Aus dieser erheben sich die solitären Türme.

Die horizontalen Bauelemente bilden dabei zusammen mit den Berggipfeln im Hintergrund eine von links unten nach rechts oben verlaufende Linie. Zusammen mit dem Felsplateau der Burg und den den rechten Bildrand dominierenden Felsgrat bilden diese eine Einheit.

Hierüber erheben sich nun die Türme und sind vor dem Hintergrund des Himmels als dominante Bauelemente wahrzunehmen. Diese Trennung wird am unteren Drittel der quadratischen Türme deutlich: Der tragende, breite Unterbau ist durch ein umlaufendes Gesims von den oberen, schmaleren Bereichen optisch getrennt. Die Gesimse liegen auf der durch Gebirge und Unterbauten gebildeten Linie.

Durch diese Trennung zwischen den in den Himmel ragenden Türmen und den massiven, horizontalen Elementen, die mit Gebirge und Fels eine kompositorische Einheit bilden, wird die Dramatik des Bildes erzeugt. Die monumentale, ehrfurchtgebietende Überwältigung des eindrucksvollen Bauwerkes kommt durch die Untersicht und die hoch aufragenden Türme zustande. Deren Wirkung wird durch die drei Hallen und die breiten Substruktionen ausgeglichen und durch den Kontrast wiederum betont.

Warum kommt mir das so bekannt vor?

Sowohl die Darstellung einer solchen schlossartigen Burg auf einem Felsplateau als auch die einheitliche Farbgebung des Bauensembles sind deutlich von Schloss Neuschwanstein beeinflusst. Auch die einzelnen Bau- und Dekorationselemente mit ihren Bezügen zur Romanik kommen bei beiden Monumenten vor. Weiterhin sind die kleineren Fensterreihen vergleichbar.

Schloss Neuschwanstein
Bild via Wikimedia

Auch die Türme, sowohl mit rundem wie quadratischen Grundriss, finden sich in Neuschwanstein wieder. Hier erreichen sie jedoch nicht die fantastische Höhen wie in Nasmiths Werk. Doch die breiten, runden Enden mit den Spitzhelmen sind gut zu erkennen wie auch die quadratische Anlage des Bergfriedes. In Neuschwanstein endet er jedoch in der runden Turmlösung.

Hohenehr von Ted Nasmith
Bild via Homepage
Schloss Neuschwanstein
Bild via Wikimedia

Die monumentalen Türme neben einer dreischiffigen, an eine Kirche erinnernden Halle gab es auch schon in einem der wichtigsten Fantasyfilme aller Zeiten zu sehen: in „Herr der Ringe“!

Insbesondere im dritten Teil „Die Rückkehr des Königs“ von 2003 wird die Königsstadt Minas Tirith deutlich gezeigt. Die Weiße Stadt hat ihren Namen vom verwendeten, einheitlichen Baumaterial, der auch für die weit oben auf dem Bergrücken befindliche Halle des Königs und Ecthelions Turm Verwendung fand. Die Halle weist deutliche Parallelen zur Halle Hohenehrs auf, denn sie ist ebenfalls als dreischiffige Basilika im romanischen Stil gezeigt, jedoch deutlich opulenter dekoriert. Auch sie wird von einem freistehenden, monumentalen Turm begleitet.

Mehr zu Minas Tirith und der Halle des Königs findest du in der #AotW 005!

Wer ist der Künstler?

Ted Nasmith
Bild via Homepage

Die Verbindung zur Herr der Ringe-Trilogie ist nicht verwunderlich, denn Ted Nasmith ist ein weithin bekannter Illustrator der Werke von J. R. R. Tolkien. Neben Allan Lee und John Howe, die auch an den Verfilmungen durch Peter Jackson beteiligt waren, gilt er als einer der bedeutendsten Tolkien-Illustratoren.

Doch auch seine eindrucksvollen Illustrationen für George R. R. Martins Welt von „A Song of Ice and Fire“ zeigen sein Talent für monumentale, epische und fantastische Kunstwerke. Gerade im Bereich der Architekturdarstellung liegt sein Talent, was sich auch in seiner Tätigkeit als Bauzeichner ausdrückt. Nasmiths Werk ist stark von Architektur und ihrer Inszenierung geprägt.

Mit Tolkien und Martin hat er für die einflussreichsten Werke der Fantasy bis heute prägende Bilder geschaffen.

Mehr über Ted Nasmith und eine große Auswahl an Werken findet man auf seiner Homepage.

Er ist auch auf Facebook zu finden.

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